26.05. Rivulets & Tess Wiley
Einsame Männer mit akustischen Gitarren – in den 60ern waren das fast immer Protestsänger. Liedermacher also, die tief in die Verhältnisse eindrangen und so den politischen Befreiungsschlag übten. Demgegenüber etablierten sich später Songwriter, die mit ähnlichen musikalischen Mitteln eher persönliche Belange formulierten. Manch traurige Seele suchte ein paar wunderbare Platten lang nach Erlösung, um sich schließlich doch selbst zu früh aus dem Leben zu befördern. Die tragische Linie führt von Nick Drake bis hin zu Elliott Smith. Nathan Amundson alias Rivulets gehört zu der Sorte Songwriter, der es nicht um Außenwirkung geht, sondern um den Kunst gewordenen Kampf mit sich selbst – bisher vermochte er es dadurch erfolgreich, seine Dämonen zu vertreiben: “Lieder zu schreiben ist meine Form der Therapie. Zuvor hatte ich Medikamente genommen, doch ich mochte dieses Gefühl nicht, wie ein Zombie durch den Tag zu gehen.” Der Trübsinn kommt nicht von ungefähr, wie die Biografie des 29-Jährigen erahnen lässt: Sein Vater war Musiker und wurde regelmäßig zu Live-Sessions in das Hause Motown geladen, seine Mutter entwickelte sich dagegen zur religiösen Eiferin, die ihrem Sohn nach der Trennung und dem Umzug nach Alaska das Hören von weltlicher Musik untersagte. So verbrachte er seine Jugend in der eisigen Tundra und bestellte sich heimlich Platten aus England: The Smiths und The Cure zum Beispiel. Seine eigenen Aufnahmen haben etwas Bedrückendes, insbesondere das zweite Album Debridement ist ein durch und durch unheimliches Werk. Man wird Zeuge tiefer Emotionen: “Als ich die Songs für dieses Album schrieb, ging ich davon aus, dass es mein letztes sein würde.” Spätestens jetzt aber muss die Sprache auf die besondere Ambivalenz dieser Musik kommen, denn seine ruhigen, folkinspirierten Klänge dokumentieren kein Sudeln im Selbstmitleid, sondern eine Aufrichtigkeit, die durchaus etwas Tröstliches hat. All die düsteren Worte verlieren in der stillen Schönheit der reduzierten Musik ihren Schrecken. Amundsons sanftes Timbre braucht kein erdrückendes Pathos; es erzielt Eindringlichkeit durch erhabene Gesangsharmonien. In seiner fragilen Art gehört Rivulets zu den wenigen Live-Acts, bei denen das Publikum regelmäßig in fast meditative Aufmerksamkeit verfällt und den Ort des Geschehens beseelt verlässt. So gesehen ist Nathan Amundson ein moderner Protestsänger, der das Zeug zum bildungspolitischen Rolemodel für junge Menschen hätte, die sich ebenfalls auf der dunklen Seite des Lebens wähnen. Er wäre einer von ihnen, der gänzlich mit sich selbst zu tun hat und trotzdem veranschaulicht, dass es produktive Formen des Umgangs mit traurigen Geschichten gibt. Vielleicht wäre es sogar angemessen, hier das alte Schlagwort vom Politischen anzubringen, das im Privaten zu suchen sei.
Sandra Ziegelmüller / TAZ
weiterführende links:
www.myspace.com/rivulets
http://www.rivulets.net
http://www.paperandironbooking.com/rivulets.htm
Superfast Rock ‘n Roll played slow und weniger ist mehr. Frei nach diesem Motto erscheint im Frühjahr 2007 das dritte Album von Tess Wiley. In den drei Jahren nach Erscheinen ihres Debut Albums “Not Quite Me” auf Tapete Records hat sich einiges getan im Leben und in der Musik der gebürtigen Texanerin. Das wohl einschneidenste Ereignis privater Natur war die Geburt ihres Sohnes Henry Fletcher im April 2005. Schnell musste Tess feststellen, dass Mutter zu sein und gleichzeitig als Musikerin Produktivität an den Tag zu legen ungefähr so miteinander zu vereinbaren sind wie Hartz IV und eine Nacht im Hilton – man kommt einfach nicht dazu. Musikalisch war für Tess deshalb “downsizing” angesagt. Sie entschied sich dafür, ihre neue Platte mit dem Arbeitstitel “Superfast Rock ‘n Roll Played Slow” ohne feste Band einzuspielen und so entstanden die meisten Aufnahmen zur neuen Platte irgendwo zwischen Wäschetrockner, Plattenregal und Wickeltisch in ihrer Wohnung im hessischen Giessen. Ohne wirkliches Studio Equipment musste Tess oft besonders kreativ sein wenn es darum ging beispielsweise Beats für den Song „Raise Your Hand“ einzuspielen und so kann man nun auf ihrer neuen Platte hören, wie sich ein Faustschlag auf einen Vitra Hartschalensessel in eine Bass Drum, ein Weinglas in ein Glockenspiel oder ein Schlüsselbund und eine Kaffeetasse in eine Snare Drum verwandeln. Auch zu manchen Spielsachen ihres Sohnes wurde gegriffen, als es darauf ankam, den richtigen Klang zu erzeugen. Tess nahm sich für diese Herangehensweise ein Beispiel an ihrem Mann Christian Roth (Fotograf und kreativer Kopf von Hessenmob Skateboards), der ihr immer wieder beweist, dass mangelnde Mittel ein Ziel nicht unerreichbar machen können, wenn man kreativ ist. Die Zusammenarbeit der Beiden, die sich 1994 bei einem Festival in Holland kennengelernt haben, bei dem Tess mit der Band Sixpence None the Richer spielte, hat auf „Superfast Rock’n Roll Played Slow“ sogar noch ganz neue Formen angenommen: das Lied „Anette“ wurde ursprünglich von Christian aus der Sicht eines Mannes komponiert, durfte aber von seiner Frau ein bisschen umgeschrieben werden und wurde dadurch ein Gassenhauer bei Tess’ sonst eher ruhigen und melancholischen Konzerten. Die Weite ihres Heimatlandes Amerika kann man auf „Superfast Rock n Roll Played Slow“ regelrecht spüren. Schliesst man bei Songs wie „Slow“ oder „Crying For You“ die Augen, so hört man mitnichten den „Sound of Mittelhessen“ sondern etwas, von dem man sich vorstellen könnte, dass es Willie Nelson auf der Veranda seiner Farm hört, während hinter den texanischen Hügelketten im Westen blutorangenrot die Sonne untergeht. Musikalisch hat Tess auf diesem dritten Album ihre Heimat (wieder) gefunden – irgendwo zwischen Folk und Country, mitten in Americana. Durch Improvisation und Home-Recording Charme ist das neue Album von Tess Wiley intimer geworden. Privater. Näher. Und gerade darin liegt ihre Stärke. Tess’ Musik erzählt unumwunden von den grossen und kleinen Gefühlen, die das Leben so mit sich bringt und ihre melancholische Stimme vermag immer wieder diese manchmal zerbrechlichen Gemütszustände zu artikulieren ohne in kitschige Klischees zu verfallen. Wenn Tess Wiley leise ihre Stimme erhebt, flüstern ihre Melodien die Lieder, die wir alle nur zu gut kennen und von denen wir immer dachten, wir hätten ihren Text für immer vergessen.
weiterführende links:
http://www.wileyrock.de/
Einlass: 20.00 Uhr AK: 6,- €

Am 29. April 2007 um 17:18 Uhr
Oh, ich freu mich riesig, dass ihr Nathan Amundson nach Karlsruhe einladet!!!!Habe so gehofft ihn irgendwann mal live sehen zu können…
Werde auf jeden Fall von Freiburg extra anreisen und wollt deshalb fragen, ob man sich schon Karten im Vorraus kaufen kann?
Ich könnt euch knutschen!
Sonnengrüße Antonia
Am 22. Mai 2007 um 19:19 Uhr
ja, wie ist das, geht das? würde auch von weiter weg kommen.. und bleiben bis zum montag, da kommen LOGH in die stadtmitte.. sollte man auch mal gesehen haben..
Am 23. Mai 2007 um 15:46 Uhr
Vorverkauf ist nicht nötig… so viele Leute werden kaum kommen das wir den Laden zu machen müssen. Von daher ist das entspannt. Kommt einfach früh genug dann ergattert ihr auf jeden Fall noch einen guten Platz. Bis Samstag!