19.12. The Gentle Lurch
„The Beat of the Heart is the Beat of the Boss“

Im Jahr 2007 überraschten THE GENTLE LURCH auf ihrem Debütalbum „From Around a Fire“ mit einer Art sprödem LoFi-Country. Mit diesem Album ließ sich die Musik des Trios noch recht eindeutig auf die Formel “Americana” bringen. Oder nennen wir es einen kauzigen Americana-Bastard. Was umso erstaunlicher ist, da das Kollektiv um das Trio Lars Hiller, Cornelia Mothes und Frank Heim in Dresden und Chemnitz beheimatet ist. Mit „The Beat of the Heart is the Beat of the Boss“ ist die intime Atmosphäre des Debüts einer weit ausholenden großen Geste gewichen. Zumindest trifft das zu für die erste CD dieses epischen Doppelalbums. Denn hier schwingen sich die reich instrumentierten Songs auf zu Walls Of Sound, hier ist alles ausufernd lang und schwelgerisch. Zwar bedienen The Gentle Lurch sich immer noch gerne aus dem Fundus traditioneller Amerikanischer Folklore, aber ein trockener Proberaum-Sound ist nicht mehr das Maß aller Dinge.
Geblieben ist das Unperfekte und Kantige, das diese Produktion durchzieht und dann eben doch eine Liebeserklärung an den Proberaum bleibt. Wenn das gesamte Musikerkollektiv sich in einen einträchtig holperigen Rausch spielt, dann sind das große Momente. Die Songs sind brüchig, und ob einer mal einen Viertelton daneben liegt, was macht das schon.
Sänger Hiller knurrt seine Impressionen vom Straßenrand des Lebens ins Mikrofon, ganz so, als würden seine besten Tage bereits hinter ihm liegen. Hillers „Gasstation Poetry“ (Zitat aus dem Vorgänger-Album) ist auf eine authentische Art unecht – oder anders herum. Da taumelt der Protagonist durch eine ihm fremd gewordene Welt, übernachtet auf Autobahn-Parkplätzen zwischen überquellenden Mülleimern, Zigarettenkippen und Kaugummis auf dem Boden und wird nach dem Aufwachen von Vögeln gepiesackt. Den Kontrapunkt zum konsequent sprech-singenden Hiller setzt Cornelia Mothes mit ihrer tragenden und ausgesprochen amerikanischen Stimme.
Das eigentliche Geheimnis des Albums ist wohl, dass es gerade in seiner unverhohlenen Nicht-Authentizität so zwingend authentisch klingt. Die Slidegitarren, das Banjo, das verstaubte Honky Tonk Piano – alles ist dabei. Doch anstatt den hinter jeder Kurve lauernden Country-Klischees auf den Leim zu gehen, hat man bei der Musik von The Gentle Lurch stets das Gefühl, sie erzählt von nichts anderem als dem Hier und Jetzt. Auf geheimnisvolle Weise klingt diese Musik alt, wie von einer veredelnden Patina überzogen und pendelt ausgewogen zwischen anrührend und irritierend.
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Zum weiter hören:
www.gentlelurch.com
myspace
Einlass 20 Uhr, 8€
